Auf Herzog Georgs Spuren im Pleßwald

Am 16.August 2026 pünktlich um 10 Uhr starteten  27 Wanderer vom Breitunger Craimar aus zu der vom hiesigen Rhönklub Zweigverein organisierten Wanderung zum Pleß. Schon der Startort Craimar selbst ist mit Georg II. von Sachsen-Meiningen (1826-1914) verbunden. Das Areal wurde 1318 als „Chreyenmor“ erstmals erwähnt. 1852 übernahm auf Initiative Georgs die sachsen-meiningische Domänenverwaltung den inzwischen stattlich ausgebauten Hof. Mehrere Förster bewirtschafteten mit ihrem Gesinde das Gut und die umliegenden Waldungen, immer streng kontrolliert vom Herzog!
An der ehemaligen Aschehalde im Steinbruchsgraben oberhalb des Craimar, wo zwischen 1957 und 1990 die im Kraftwerk Breitungen anfallende Asche verkippt wurde, erfuhren die Wanderer vom Bau des „Breitunger Großkraftwerks“ 1912/13 und auch was Landesvater Georg davon hielt: „Ihr Breitunger werdet das noch bitter bereuen!“ Nun ja, das Kraftwerk war bis zu seinem Abbruch 2003-2005 Fluch und Segen zugleich für die Breitunger.
Über die „Elite“, zu hochdeutsch Erlenleite, führte der Weg zum idyllisch gelegen „Steinsee“, wo man Überbleibsel der einstigen Breitunger Wasserversorgung sehen konnte. 1911 wurde eine Leitung von der hier stark sprudelnden Quelle zum Hochbehälter über dem Wittgenthal gebaut, um das damals „boomende“ Alten- und Frauenbreitungen mit Trinkwasser zu versorgen. 1929 fasste man noch eine zweite, tiefer liegende Quelle im Neuhöfer Grund und baute eine 15PS- Pumpstation am Neuhof. 2025 wurde, nach dem die Leitung schon lange nicht mehr in Betrieb war, auch der Hochbehälter abgebrochen.
Vom „Steinsee“ ging es nun weiter auf dem „Herzogsweg“ in Richtung „Große Balz“. Der Weg wurde von Georg und seiner dritten Ehefrau Ellen Franz (1839-1923), der Freifrau von Heldburg, oft für die Kutschfahrten zum Pleß genutzt. Gerne rastete man oberhalb des Steinsees, genoss die Ruhe und den Blick in den Craimarer Grund. Die „Heleneneiche“, wenige Meter links des Herzogweges erinnert noch daran.
Auf der 1879 gebauten Pleßstraße empfing Michael Himmel aus Immelborn an der „Großen Balz“ die Wandergruppe. Er ist ein hervorragender Kenner des Pleß und seiner Geschichte und berichtete viel Interessantes und auch Amüsantes über das, was sich einst auf dem Pleß um Herzog Georg zugetragen hat. Er führte über das Gelände des Bundeswehr- Standortübungsplatzes zum ursprünglichen Platz des „Sachsensteins“. Hier starb vor über 300 Jahren der Frauenbreitunger Jäger Johannes Sachs auf mysteriöse Weise. Ein sich selbst lösender Schuss traf ihn auf dem Kutschbock einer Kalesche tödlich. Hinter ihm saß Herzog Ernst Ludwig I. von Sachsen-Meiningen (1672-1724). Der vom Herzog hier errichtete Gedenkstein, der „Sachsenstein“, steht heute restauriert neben der Wanderhütte auf der Pleßkuppe. Der Rhönklub Breitungen veröffentlichte 2022 ein Heimatheft, das sich ausführlich mit dem „Sachsenstein“ und seinem noch immer geheimnisvollen historischen Umfeld beschäftigt.
Michael Himmel führte dann die Wanderer weiter durch die „Kohlstätte“ auf die „Kleine Pleßspitze“. Neben dem hier bereits seit dem Jahr 1701 stehenden Pirschhaus ließ der leidenschaftliche Jäger Herzog Georg II. 1887 sein „Jagdschlösschen“ errichten. Auch dazu konnten Micheal Himmel viel neu Erforschtes berichten. So wurden auf den ausgedehnten herzoglichen Jagden zwischen 1868 und 1912 im eingegatterten Pleßwald 720 Hirsche, 77 Gamsen und 2000 Fasane geschossen. Dauernd auf dem Pleß wohnten „Pleßlouis“ und „Pleßmine“. Sie hatten sich auch um geladene, hochadelige Gäste und berühmte Künstler zu kümmern. U.a., so Micheal Himmel, weilten Johannes Brahms, Tiermaler Anton Weinberger und Graf von Luckner, der „Seeteufel“, längere Zeit auf dem Pleß.
Vom „Jagdschlösschen“ steht seit 1974 nur noch das Kellergeschoß auf dem Pleß. Das Haus selbst wurde nach Breitungen umgesetzt und wird als Gaststätte „Seeblick“ bewirtschaftet.
Um an die Geschichte des einstigen „Jagdschlösschens“ zu erinnern, enthüllte Rochus Rücker, 1. Vorsitzender des Breitunger Zweigvereins des Rhönklubs, eine Informationstafel unweit des Pleßhauses. Hier können nun Wanderer, die auf dem beliebten, 2006 eröffneten Wanderweg „Hochrhöner“ unterwegs sind, Interessantes zum Pleß und zum Pleßhaus nachlesen.

Nach weiteren zwanzig Gehminuten auf dem „Hochrhöner“ erreichten die Wanderer die Rhönklub-Hütte auf der Pleßkuppe, wo sie sich mit Erbsensuppe und Bockwurst stärkten. Während des Abstieges über den „Grenzweg“, vorbei an der „Kilianskuppe“ und der „Bettelbuche“ erfuhren sie noch einiges zu Flurbezeichnungen. Eine originelle, neue Erklärung für den Namen „Dorschweg“ fand hier der Kleinschmalkalder Jürgen Petri: „Dorschtwag“, zu hochdeutsch Durstweg! Wahrscheinlich war wohl diese spontane Wortwahl der Hitze von 30 Grad und aufkommendem Durstgefühl geschuldet. Zum Abschluss der 18 Kilometer langen Wanderung bot sich den Teilnehmern vom Breitunger „Häselsberg“ noch ein herrlicher abendlicher Blick über das Werratal zum Kamm des Thüringer Waldes.

August 1
Michael Himmel aus Immelborn berichtete Interessantes zur Pleßgeschichte

August 2
Bei herrlichem Sommerwetter waren 27 Wanderer auf dem Pleß unterwegs

August 3
Rochus Rücker, 1. Vorsitzender desRhönklub Zweigvereins Breitungen, enthüllte eine Infotafel zum Pleßhaus